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Bettagsmandat 2026: Wachstumsschmerzen



Kantonale Verwaltung Glarus


22.09.2026, Regierungsrat • Wachstum schafft Chancen, bringt aber auch Spannungen und Herausforderungen mit sich. Das Bettagsmandat 2026 zeigt auf, wie sich diese mit Weitsicht, gesellschaftlichem Zusammenhalt und christlich-abendländischen Werten bewältigen lassen.


Wachstum ist etwas, das wir meist positiv bewerten. Eine Gemeinde wächst, Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, Familien ziehen zu, neue Ideen entstehen. Wachstum verspricht Chancen, Dynamik und Zukunft. Doch jede Entwicklung hat auch ihre Kehrseite. Wachstum verläuft selten geräuschlos – es bringt Spannungen, Anpassungen und manchmal auch Schmerzen mit sich.

Das kennen wir aus unserem persönlichen Leben. Wer sich weiterentwickelt, muss Gewohntes hinter sich lassen, neue Wege gehen und Unsicherheiten aushalten. Ähnlich verhält es sich mit einer Region oder einem Kanton. Mehr Einwohnerinnen und Einwohner bringen Leben und Vielfalt, erhöhen aber auch den Bedarf an Wohnraum, Schulen, Verkehrsinfrastruktur und Erholungsräumen. Veränderungen werfen Fragen auf und wecken unterschiedliche Erwartungen.

Gerade im Glarnerland erleben wir, wie wichtig es ist, Wachstum bewusst zu gestalten. Es geht nicht darum, jede Veränderung zu begrüssen oder sie grundsätzlich abzulehnen. Vielmehr braucht es den Mut, Entwicklungen vorausschauend zu planen und sorgfältig abzuwägen. Wachstum darf kein Selbstzweck sein. Sein Wert zeigt sich darin, ob es die Lebensqualität der Menschen verbessert.

Lebensqualität entsteht, wenn wirtschaftliche Entwicklung, soziale Verbundenheit und eine intakte Natur im Gleichgewicht bleiben. Sie zeigt sich in kurzen Wegen, lebendigen Dörfern, guten Arbeitsplätzen, funktionierenden Schulen und einer Landschaft, die auch kommenden Generationen Heimat bietet. Dieses Gleichgewicht zu bewahren, ist anspruchsvoll – und genau darin liegt die eigentliche Aufgabe.

Wachstumsschmerzen lassen sich deshalb nicht vollständig vermeiden. Sie sind oft ein Zeichen dafür, dass etwas in Bewegung ist. Entscheidend ist jedoch, wie wir damit umgehen. Hören wir einander zu? Finden wir tragfähige Kompromisse? Denken wir über die nächste Legislatur hinaus?

Gestalten wir Wachstum mit Weitsicht, Verantwortung und Respekt, können aus Spannungen neue Chancen entstehen. So werden Wachstumsschmerzen zum Ansporn, Wohlstand und Lebensqualität miteinander zu verbinden.

Die Wachstumsschmerzen unserer Zeit

Der Begriff Wachstumsschmerzen ist vielen aus der Kindheit vertraut. Er steht für vorübergehende Beschwerden, die mit einer Phase der Entwicklung verbunden werden. Im übertragenen Sinn erlebt gegenwärtig auch unsere Gesellschaft solche Wachstumsschmerzen – ausgelöst unter anderem durch das Bevölkerungswachstum.

Dieses sorgt vielerorts für gesellschaftliches Unbehagen, auch nach der Abstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Denn mit dem Nein an der Urne sind die Herausforderungen nicht verschwunden – sie bleiben bestehen und verlangen nach tragfähigen Lösungen.

Denn die Herausforderungen sind vielfältig: Die steigenden Lebenshaltungskosten belasten Menschen mit tieferen Einkommen. Auch im Glarnerland ist ein Anstieg der Immobilien- und Mietpreise festzustellen. Gleichzeitig nimmt die Verkehrsbelastung zu. Mit den Natur-, Kultur- und Landwirtschaftsflächen gilt es, sorgsam umzugehen und den gewachsenen Charakter unserer Dörfer zu bewahren und gleichzeitig Veränderung und Innovation zuzulassen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie werden wir nicht nur grösser, sondern auch reifer? Qualität muss mit Quantität Schritt halten, sonst verlieren wir alle. Gesellschaftlicher Wandel hat die Menschheit seit jeher begleitet. Jede Generation war gefordert, Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit zu finden – heute sind wir an der Reihe.

Der Bettag lädt uns ein, diesen Fragen mit Hoffnung zu begegnen. Er erinnert an den Frieden zwischen Konfessionen, politischen Überzeugungen und Bevölkerungsgruppen und richtet unseren Blick auf Gott. Wir müssen nicht alles aus eigener Kraft bewältigen. Gott schenkt Orientierung, stärkt uns und eröffnet neue Sichtweisen. In seinem Geist dürfen wir Zuversicht und Zusammenhalt finden.

Zusammenhalt als Kraft unserer Gesellschaft

Gerade in Zeiten des Wandels wird deutlich, wie wichtig dieser Zusammenhalt ist. Er zeigt sich nicht zuerst daran, wie erfolgreich oder wohlhabend eine Gesellschaft ist, sondern wächst dort, wo Menschen einander mit Vertrauen begegnen, Verantwortung füreinander übernehmen und niemanden aus dem Blick verlieren.

So sagt der Apostel Paulus: «Einer trage des andern Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.» (Galater 6,2).

Zusammenhalt entsteht dort, wo Menschen einander beistehen, Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstehen und sich von Respekt und Nächstenliebe leiten lassen. Das ist gelebte christliche Kultur.

Unsere Gesellschaft verändert sich, und vieles Vertraute gerät in Bewegung. Gerade dann wächst die Versuchung, sich zurückzuziehen oder sich voneinander abzugrenzen. Vertrauen, Mitmenschlichkeit und Solidarität sind dabei ein kostbarer Reichtum. Sie lassen sich weder verordnen noch erkaufen. Sie wachsen dort, wo Menschen einander zuhören, Brücken bauen und Verantwortung für das gemeinsame Leben übernehmen.

Echter Zusammenhalt beginnt bei Gott. Jeder Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen und besitzt eine unverlierbare Würde. Darum sind wir aufgerufen, einander mit Respekt, Vertrauen und Mitmenschlichkeit zu begegnen. Zusammenhalt ist keine Selbstverständlichkeit, sondern Geschenk Gottes und Aufgabe zugleich. Der Bettag lädt uns ein, um Gottes Segen für unser Zusammenleben zu bitten und uns für das Gemeinwohl einzusetzen. Aus dem Vertrauen auf Gott können Hoffnung, Versöhnung und neue Gemeinschaft entstehen.

Bitten wir Gott um seinen Geist, der unsere Herzen öffnet und uns befähigt, den Wandel gemeinsam, verantwortungsvoll und hoffnungsvoll zu gestalten.

Orientierung an den christlich-abendländischen Wertvorstellungen

Wachstumsschmerzen begleiten den körperlichen Wandel, gelten medizinisch als harmlos und führen nicht zu bleibenden Schäden. Sie können Kinder erfahren lassen, dass auch starke Schmerzen ohne Schaden vorübergehen. Dadurch werden Aufmerksamkeit, Resilienz und Vertrauen gestärkt.

Auch unser Land erlebt derzeit aufgrund der Bevölkerungsentwicklung einen ungewohnten Wachstumsschub. Wir merken dabei insbesondere, dass neben dem damit sonst verbundenen Wohlstand plötzlich auch Herausforderungen zu meistern sind, für die Patentrezepte fehlen. Noch mehr als früher kommen mit den Arbeitskräften andere Wertvorstellungen zu uns. Dies führt zu kontroversen Diskussionen, insbesondere im Umgang mit dem knapper werdenden Lebensraum. Auch die Integration unterschiedlicher Kulturen wird anspruchsvoller.

Die Besinnung auf unsere christlich-abendländischen Wertvorstellungen kann Orientierung bieten. Ihr Kern besteht in der unverletzlichen Menschenwürde, der Nächstenliebe sowie der Freiheit und Verantwortung des Einzelnen vor Gott und der Gesellschaft. Diese Werte bilden seit Langem eine Grundlage für das friedliche Zusammenleben in unserem Land. Sie sind von universeller Gültigkeit, aber keine starren Prinzipien, denen sich alle beugen müssen. Im Gegenteil verlangen Menschenwürde, Nächstenliebe, Freiheit und Eigenverantwortung vielmehr nach sozialer Güterabwägung, Gleichstellung und gegenseitiger Rücksichtnahme. Alle Kulturen in unserem Land sind verpflichtet, sich in diesen Rahmen einzufügen. Zugleich dürfen sie darauf vertrauen, in ihren Besonderheiten akzeptiert zu werden.

Jeder Mensch kann dazu beitragen, die demografische Entwicklung im Sinne dieser Werte positiv zu gestalten. Das gilt auch für den Staat, der die Menschen zu einer Gemeinschaft verbindet. Auch der Regierungsrat des Kantons Glarus hat sich dies vorgenommen: Er widmet die kommende vierjährige Legislatur von 2027 bis 2030 schwergewichtig dem Thema Bevölkerung und Wachstum. Dazu erarbeitet er zahlreiche Massnahmen, mit denen nicht nur die Resilienz des Kantons, sondern auch das Vertrauen in eine Bevölkerungsentwicklung gestärkt werden soll, die allen zugutekommt. Alle sind eingeladen, diesen Weg zur Überwindung der Wachstumsschmerzen mitzugehen.


Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber.



Über Kantonale Verwaltung Glarus:

Bronzezeitliche (13.-9. Jh. v. Chr.) Funde sind erste Belege menschlicher Anwesenheit im Glarnerland. Für die keltische Besiedlung (3. Jh. v. Chr.) sprechen Bodenfunde und Ortsbezeichnungen. So leitet sich der Name des Talflusses «Linth» vom keltischen «linta» ab, was die Geschmeidige oder Schlange, Drache bedeutet.

Reste römischer Bauten finden sich am Walensee und auf Kerenzen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung gehört das Glarnerland zur Provinz Rätien.

Die erste Talkirche wird im 6. Jahrhundert in Glarus gebaut. Um 700 wandern die Alemannen ein, deren Sprache sich aber erst im 11. Jahrhundert allgemein durchsetzt. Zu dieser Zeit untersteht das Glarnerland dem Kloster Säckingen.

Im 13. Jahrhundert kommt es unter habsburgische Vormacht, die die Glarner abzuschütteln versuchen. Sie verfügten nämlich über eine gewisse Eigenständigkeit, urkundet doch 1282 «die Gemeinschaft der Männer des ganzen Tales Glarus». 1351 lassen sie sich von Zürchern und Innerschweizern erobern. Nachdem sie 1352 einen ersten Rückeroberungsversuch Habsburgs zurückgeschlagen haben, schliessen sie den Bund mit den Eidgenossen und errichten unterhalb Näfels eine Letzimauer, von der Überreste heute noch festzustellen sind. Nach der Schlacht bei Sempach erobern sie das Städtchen Weesen, das durch eine verräterische Mordnacht im Februar 1388 wieder verloren geht.

An der ersten ausführlich dokumentierten Landsgemeinde geben sie sich 1387 eigene Satzungen und legen damit den Grundstein zur heutigen demokratischen Verfassung.

Am 9. April 1388 schlagen sie in der Schlacht bei Näfels ein mehrfach überlegenes habsburgisches Heer und befreien sich mit diesem Sieg von der habsburgischen Herrschaft. - Seither erinnert die am ersten Donnerstag im April begangene Näfelser Fahrt an dieses Ereignis.

1395 kaufen sie sich von Säckingen los, zahlen dem Frauenkloster aber noch bis zum Umsturz Ende des 18. Jahrhunderts einen «ewigen» Jahreszins.

Schon vor 1530 ist die Mehrheit der Glarner und Glarnerinnen reformiert. Zwingli hatte während zehn Jahren in Glarus als Pfarrer gewirkt und seine Reformationsschrift 1523 «Ammann, Rat und Gmeind des Lands Glaris» gewidmet. Nur Näfels und Oberurnen bleiben beim alten Glauben und einige wenige andere Gemeinden werden paritätisch. Erste Grundsätze von Religionsfreiheit vermögen jedoch die Spannungen zwischen den Konfessionen nicht zu verhindern. Immerhin überdauert das Simultanverhältnis an der Kirche von Glarus: bis zur Weihe der katholischen St. Fridolins Kirche 1964 nutzen beide Konfessionen die gleiche Kirche; daran vermag selbst der verheerende Brand von Glarus (1861) nichts zu ändern. Die Staatsgewalt jedoch teilt sich. Es gibt drei Landsgemeinden: je eine der Angehörigen der beiden Glaubensgruppen und die gemeinsame. Auch die Gerichte, das Militär- und Postwesen und der Salzhandel trennen sich. Es gelten gar, weil die Reformierten den Gregorianischen Kalender ablehnen, während eines Jahrhunderts zwei Kalender. 1836 hebt die neue Kantonsverfassung diese konfessionelle Landesteilung auf.

1799 wird das Glarnerland zum Kriegsschauplatz fremder Heere. Die Franzosen zwingen die über den Pragelpass und das Klöntal vorgestossenen Russen unter General Suworow zum verlustreichen Rückzug über den verschneiten Panixerpass. - Aus dem ausgehungerten Land ziehen 1200 Kinder in andere Kantone, wo sie Ernährung und Hilfe finden müssen.

Seit alters her an das Mitbestimmen an der Landsgemeinde gewohnt, prägt die Glarner Arbeiterschaft zusammen mit sozial gesinnten Ärzten und Pfarrern die Sozialgesetzgebung im 19. und 20. Jahrhundert. So wird z. B. 1856 die Fabrikarbeit für unter 12-jährige verboten und 1864 das erste demokratisch durchgesetzte Fabrikgesetz erlassen. Es reduziert die tägliche Arbeitszeit auf zwölf Stunden (1872 auf elf Stunden), verbietet Nacht- und Kinderarbeit, schreibt Arbeitssicherheits- und Hygienemassnahmen vor und bringt einen bescheidenen Wöchnerinnenschutz.

1916 stimmt die Landsgemeinde der Schaffung einer kantonalen Alters- und Invalidenversicherung zu. Diese erste obligatorische Sozialversicherung findet mit der AHV erst 1948 eine Entsprechung auf Bundesebene. Ebenfalls ist es die Glarner Landsgemeinde, die 1925, als erstes seiner Art, das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung erlässt. Der Fabrikarbeiterverein Schwanden gründet 1864 den ersten Konsumverein der Schweiz.

Zwischen dem Walensee und dem Zürichsee geht es hinein in das tief eingeschnittene Tal des Glarnerlands. Bis zu 1.750 Metern wachsen die Berge hier aus dem Boden. Mit 3.614 Metern ist der Tödi der höchste Berg der Ostschweiz. Das Glarnerland, als Kanton einer der ältesten Kantone der Schweiz, ist eine Ferienregion der Vielfalt. Erstklassige Angebote für Familien gehen einher mit hochalpinen Wander- und Tourenmöglichkeiten, Skispass in zwei attraktiven Wintersportgebieten und jeder Menge Kultur.


Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf HELP.ch.


--- Ende Artikel / Pressemitteilung Bettagsmandat 2026: Wachstumsschmerzen ---


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 Kantonale Verwaltung Glarus (Firmenporträt)

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